Röntgenstrahlen in der Radiologischen Diagnostik 

Röntgenstrahlung und ihre Gefährlichkeit

Aussagen über die Gefährdung durch Röntgenstrahlung basieren im Wesentlichen auf statistischen Berechnungen, sind also Wahrscheinlichkeitsabschätzungen.
Diese Berechnungen basieren im Wesentlichen auf den Auswirkungen der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, Atomwaffentestversuchen sowie Arbeiten unter erhöhter ”natürlicher“ Strahlenbelastung wie Beschäftigten im Uranerzbergbau. Die hierbei freigesetzte Strahlung lag um ein Vielfaches über der Dosis, die in der diagnostischen Medizin zum Einsatz kommt.

Da die verhältnismäßig geringen Strahlendosen in der radiologischen Medizin und ihre tatsächliche Auswirkung auf den menschlichen Körper statistisch kaum erfasst werden, können (hierzu müssten ca. 10 Millionen Menschen über 50 Jahre beobachtet werden) werden die bekannten Auswirkungen bei höheren Strahlendosen zurückgerechnet. Hierbei geht man von einem linearen Verlauf der Gefährdung aus. Dies bedeutet: Eine Verdopplung der Strahlendosis führt zu einer Verdopplung des Risikos, eine Halbierung zu einer Halbierung. 

Was macht Röntgenstrahlung  gefährlich?

Röntgenstrahlen sind eine bestimmte ”Form“ von elektromagnetischen Wellen, auch das sichtbare Licht entspricht elektromagnetischen Wellen. Im Gegensatz zum Licht ist Röntgenstrahlung jedoch wesentlich energiereicher, sie ist in der Lage chemische Bindungen aufzubrechen. Wird ein Körper einer Röntgenstrahlung ausgesetzt , geht ein geringer Teil der Energie der Röntgenstrahlen auf den Körper über. Hierbei kommen mehrere physikalische Phänomene zum Tragen, die hier nicht näher erläutert werden sollen. Alle Substanzen in einer Körperzelle können prinzipiell hierbei geschädigt werden, letztendlich sind jedoch nur Schäden der Erbsubstanz (DNA) von praktischer Bedeutung.

Schäden der DNA der Keimzellen (Eizelle, Spermien) können zu vererbbaren Erkrankungen führen, Schäden der DNA der Körperzellen können zu Krebserkrankungen führen. 99,9% der DNA Schäden werden durch körpereigene Reparaturmechanismen beseitigt.

Nicht alle Körperzellen reagieren jedoch gleich empfindlich auf Röntgenstrahlen. 

Eine hohe Strahlenempfindlichkeit weisen z. B. auf:

  • blutbildendes Knochenmark
  • Dickdarm
  • weibliche Brust
  • Magen
  • Lunge

Eine mittlere Strahlenempfindlichkeit weisen z.B. auf:

  • Blase
  • Leber
  • Speiseröhre
  • Schilddrüse

Eine geringe Strahlenempfindlichkeit weisen z.B. auf:

  • Haut
  • Knochenoberfläche
  • Muskulatur

Neben der Höhe der Strahlendosis ist auch der Ort der Bestrahlung wichtig! Aus diesem Grunde wird bei Dosisabschätzungen die Bestrahlung kritischer Organe stärker gewichtet. Über komplizierte Rechnungen läßt sich nun eine vergleichbare effektive Dosis berechnen die in Milli-Sievert pro Jahr (mSv/a) angegeben wird.

Nicht nur Röntgenstrahlung führt zu einer Strahlenbelastung. Täglich sind wir einer natürlichen Strahlenbelastung ausgesetzt die sich zusammensetzt aus:


 Kosmischer Strahlung  0,3      mSv/a
 Erdstrahlung         
 0,5      mSv/a
 natürlicher Radoninhalation  
 1,3      mSv/a
 Aufnahme natürlicher radioaktiver Stoffe 
 0,3      mSv/a
 Gesamt:   
 2,4      mSv/a

Hinzu kommt eine zivilisatorische Strahlenbelastung aus:

Kerntechnischen Anlagen
<0,01  mSv/a
Anwendung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in Forschung, Technik und Haushalt
<0,01  mSv/a
Fall-out von Kernwaffenversuchen   
<0,01  mSv/a
Anwendung radioaktiver Stoffe und ionisierender Strahlung in der Medizin 
1,5      mSv/a
Gesamt:     1,53    mSv/a

Die Strahlenbelastung in der Medizin hat somit einen nicht unerheblichen Anteil an der gesamten Strahlenbelastung der Bevölkerung, der weitaus größte Anteil entfällt hierbei jedoch auf wenige, schwerkranke Patienten.

Die durchschnittliche Strahlenbelastung durch das Reaktorunglück in Tschernobyl

lag 1990 in Deutschland bei         
 0,025  mSv
100 Stunden Farbfernsehen (3m) entsprechen 
 0,01    mSv
100 Stunden vor einem Bildschirm (0,5 m)  0,12    mSv
10 stündige Flugreise  0,1      mSv
Zunahme der kosmischen Strahlenbelastung in
2000 m Höhe gegenüber Meereshöhe        
 0,6      mSv
Regionaler Unterschied der natürlichen Strahlung innerhalb von Häusern in Deutschland      0,6      mSv

Die oben aufgeführten Beispiele sollen als Vergleichsmaßstab für die folgende Auflistung von Röntgenuntersuchungen dienen.

Eine jährlich einmalige Röntgenuntersuchung der folgenden Untersuchungsart führt zu einer zusätzlichen effektiven Dosis:

Zahnuntersuchungen  0,02    mSv
Röntgenaufnahmen:

 

Schädel
Rippen
Thorax (Lunge)
Bauchraum
Halswirbelsäule
Brustwirbelsäule
Lendenwirbelsäule
Becken
0,2      mSv
3,0      mSv
0,2      mSv
0,3      mSv
2,0      mSv
5,0      mSv
0,4      mSv
0,1      mSv
Mammographie (Film-Folien-System ohne Raster)    1,0      mSv
Computertomographie:  
Schädel
Thorax (Lunge)
Bauchraum
2        mSv
10       mSv
7         mSv
Angiographie (DSA)          
 
Herz (Herzkatheter)
Nieren                   
10       mSv
10       mSv
Durchleuchtung  
MDP
Kolon KE
Thorax (Lunge)                                                                    
6         mSv
3         mSv
1,5      mSv

In der Regel dauert es viele Jahre bis eine strahleninduzierte Krebserkrankung auftritt. Für die Leukämie (Blutkrebs) geht man, in diesem Dosisbereich, von 15 Jahren, für andere Krebsformen von 40 Jahren aus.

Ein letztes Beispiel:

Jeder vierte Mensch stirbt bei uns an einer Krebserkrankung. Dies entspricht somit einem Risiko von 25%. Durch eine einmalige Röntgenuntersuchung der Lunge erhöht sich das Risiko auf 25,001%. Durch eine veränderte Lebensweise läßt sich das Risiko um 5% verringern oder entsprechend erhöhen!

Zusammenfassend sei gesagt:

Jede Röntgenuntersuchung birgt letztendlich ein unkalkulierbares Risiko. Aus diesem Grunde dürfen Röntgenuntersuchungen nur bei entsprechender Indikation durchgeführt werden, das heißt nur dann, wenn das Unterlassen einer Röntgenuntersuchung ein höheres Risiko beinhaltet als die Untersuchung selbst.

Die Ausstellung eines Röntgenpasses gibt Ihnen einen Überblick über Ihre persönlichen Aufnahmen und verhindert unnötige Doppeluntersuchungen! Einen solchen Pass erhalten Sie in jeder unserer Röntgenabteilungen.

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