Katheterbasierte sympathische renale Denervation:
neue Hoffnung für Patienten mit nicht-einstellbarem Bluthochdruck

Die Radiologische Klinik des Universitätsklinikums Bonn bietet zusammen mit der Hypertonie-Ambulanz der Medizinischen Klinik I die sog. renale Denervation zur Behandlung des nicht-einstellbaren Bluthochdrucks an. Bei diesem minimal-invasiven Kathetereingriff werden die Nierenarterien-Nerven ausgeschaltet, um eine Blutdruckabsenkung zu bewirken. Diese neue Behandlungsmöglichkeit eignet sich für Patienten, bei denen mit Medikamenten alleine keine ausreichende Absenkung des Blutdrucks erreicht werden kann

Bluthochdruck (Hypertonie) ist weltweit die häufigste Todesursache und verursacht allein in Deutschland jedes Jahr insgesamt ca. 300.000 Herzinfarkte, Schlaganfälle und Nierenversagen. Insgesamt leiden etwa 30% der erwachsenen Bevölkerung an Bluthochdruck, und bei etwa 5% von ihnen kann auch mit einer Mehrfachkombination von blutdrucksenkenden Medikamenten keine ausreichende Absenkung des Blutdrucks erreicht werden. Insbesondere diese Patienten haben ein hohes Risiko für Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Nierenversagen.

Bei der Entwicklung und dem Erhalt einer Hypertonie kommt der Niere eine Schlüsselrolle zu. Das sympathische Nervensystem verändert die Nierenfunktion, indem es die Ausscheidungsfunktion beeinträchtigt und hierdurch die Ausschüttung von blutdrucksteigernden Substanzen (Renin) auslöst.

Die sogenannte renale Denervation (= Ausschaltung der Nierennerven) ist eine neue Behandlungsmöglichkeit. Hierbei wird ein Teil der sympathischen Nervenbahnen, die entlang der Nierenarterien zur Niere führen, ausgeschaltet, um den Einfluss dieses Nervensystems auf den Blutdruck zu verringern. Dazu wird über einen speziellen Katheter Wärme an die Nierenarterienwand abgegeben, wodurch es zu einer Schädigung der sympathischen Nervenfasern kommt, die unmittelbar in der Gefäßwand verlaufen (siehe Graphik). Wichtig ist dass dieser Kathetereingriff an der Arterienwand selbst keine dauerhafte Schädigung hinterlässt und auch die Nierenfunktion nicht negativ beeinflusst.

Weltweit wurden bisher etwa 400 Patienten mit diesem Verfahren behandelt, und dies mit großem Erfolg: Bei weit mehr als 80 Prozent der Patienten konnte ein Erfolg – also eine deutliche Blutdrucksenkung auch sechs Monate nach dem knapp einstündigen Eingriff – nachgewiesen werden. Durchschnittlich kam es durch die renale Denervation zu einer Absenkung des systolischen arteriellen Blutdrucks um 25 - 40 mmHg - ein Effekt, der in der ersten Langzeitbeobachtung bis zu 24 Monate fortbestand.

Das primäre Ziel der Behandlung ist in erster Linie das Absenken der viel zu hohen Blutdruckwerte, allerdings kann - als durchaus erwünschter „Nebeneffekt“ - im weiteren Verlauf häufig die Anzahl der Blutdruckmedikamente reduziert werden.

Interessierte Ärzte und Patienten können sich für weitere Informationen an folgende Ansprechpartner wenden:

Dr. Claas Philip Nähle, Prof. Dr. Kai Wilhelm
Radiologische Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Sigmund-Freud-Str. 25
53105 Bonn
Tel. 0228-287-15237 oder kontakt-radiologie(at)ukb.uni-bonn.de

Dr. Nähle (links) und Prof. Wilhelm (rechts) demonstrieren die Lage des Kathetersystems am anatomischen Model. Der Katheter kann während des Eingriffs durch einen Handgriff exakt positioniert werden.

TV Beitrag des WDR
Volkskrankheit Bluthochdruck vom 24.11.2011

Verfügbar in der WDR Mediathek

 
   

Schematische Darstellung einer renalen Denervation. Der Katheter (dunkelblau), über den die Wärme (blau Halbkreise) an die Gefäßwand abgegeben wird, befindet sich in der rechten Nierenarterie. Das sympathische Nervengeflecht (Pfeile) befindet sich in der Gefäßwand und wird durch die Wärme unterbrochen.