Radiofrequenzablation (RFA)

Was ist eine Radiofrequenzablation?

Die Radiofrequenzablation (auch Radiofrequenzthermoablation, Hochfrequenzthermoablation, Thermoablation; im Folgenden RFA genannt) ist ein Verfahren bei dem elektrischer Strom angewendet wird, um einen Tumor lokal zu zerstören. Es handelt sich hierbei um das am häufigsten angewendete lokal-ablative Behandlungsverfahren.

Unter Ultraschall oder CT gesteuerter Kontrolle wird eine spezielle dünne Nadelelektrode in einem Tumor platziert. An diese Elektrode wird anschließend hochfrequenter elektrischer Strom angeschlossen, der das Gewebe auf bis zu 100 Grad Celsius erhitzt. Die Tumorzellen um die Nadelelektrode gehen durch diesen Temperaturanstieg zugrunde.

Hierbei ist zu erwähnen, dass nicht nur Tumor-, sondern auch „normale“ (gesunde) Zellen zerstört werden. Dies gewährleistet einen  ausreichenden Sicherheitsabstand zum umgebenden, vom Tumor nicht befallenen Gewebe.

Die Technik der RFA

In Vollnarkose wird unter Ultraschall- oder CT-gesteuerter Kontrolle eine Nadelelektrode (Ablationssonde) durch die Haut (perkutan) gestochen und bis in den zu behandelnden Tumor vorgeschoben. An der Nadelelektrode wird anschließend ein elektrischer Wechselstrom angelegt. Dadurch entsteht Wärme mit Gewebetemperaturen von ca. 50 bis 100 Grad Celsius, die zu einer unwiderruflichen Zellstörung (sog. Koagulationsnekrose) führt. Die Wärme wird über mehrere Minuten aufrechterhalten, um ein vollständiges Absterben der Tumorzellen zu erreichen. Durch eine einzelne Nadelelektrode können Nekrosebereiche mit einem Durchmesser bis ca. 1,6 cm erzielt werden. Durch die Entwicklung „schirm- oder krallenförmiger“ Elektroden, d. h. ein Elektrodenschaft mit mehreren ausfahrbaren Elektrodenarmen, ist es jedoch möglich auch größere Gewebeareale zu zerstören, so dass Tumoren mit einer Größe von bis zu 5 cm einer RFA zugänglich sind (s. Indikationen).

 

Für welche Tumore kommt eine RFA in Betracht? (Indikationen)

Die RFA wird am häufigsten bei Lebertumoren angewendet. Hierbei handelt es sich sowohl um von der Leber selbst ausgehende Tumore (Leberkrebs, sog. hepatozelluläres Karzinom, HCC) als auch um Lebermetastasen (Tochtergeschwulste in der Leber) anderer Krebserkrankungen (z. B. Darm-, Lungen- oder Brustkrebs). Hinsichtlich der Langzeitergebnisse ist zu Erwähnen, dass die meisten Daten für lebereigene Tumoren vorliegen.

Neben Tumoren der Leber werden in manchen Fällen auch Tumore in anderen Organen (z. B. in der Niere und der Lunge) behandelt. Im Vergleich zur Anwendung der RFA bei Lebertumoren gibt es hierzu jedoch weniger Studien mit Langzeitergebnissen, so dass Behandlungen außerhalb der Leber seltener sind und die Entscheidung zur RFA umso mehr auf dem Einzelfall beruht.

Als weiteres Anwendungsgebiet der RFA sind Osteoid-Osteome (gutartige Knochentumore) zu nennen, in deren Therapie die RFA einen bedeutenden Stellenwert einnimmt und bei kleinen Tumoren die Behandlungsmethode der ersten Wahl darstellt.

Die RFA wird primär Patienten angeboten, für die eine operative Therapie nicht in Frage kommt. Mögliche Gründe sind z. B.:

- Begleiterkrankungen, die eine Operation nicht zulassen (z. B. fortgeschrittene Leberzirrhose oder Leberinsuffizienz; zu wenig Restorgangewebe im Falle einer Operation; schwerwiegende Herz-, Kreislauferkrankungen; schwere  Lungenerkrankungen).

- Ungünstige Lage eines Tumors, bei der Tumor operativ nicht (oder nur mit großen Verlusten von gesundem Gewebe) zu entfernen, aber einer RFA zugänglich ist.

- Der Patient lehnt eine Operation ab.

Darüberhinaus gilt, dass Tumoren nur bis zu einer bestimmten Größe bzw. bis zu einer gewissen Anzahl mittels RFA behandelt werden können (s. Kontraindikationen). Zudem spielt die Lage des Tumors eine Rolle: eine RFA-Therapie ist natürlich nur möglich, wenn der Tumor auch von außen mit der Nadelelektrode erreicht werden kann.


In welchen Fällen kommt die RFA nicht in Betracht? (Kontraindikationen)

Bei einem ausgedehnten Tumorleiden (d. h. bei großen oder vielen Tumoren) und insbesondere in Fällen, bei denen bereits mehrere Organe befallen sind, ist eine RFA wenig aussichtsreich.

Als allgemeine Kontraindikationen gelten einerseits maximaler Tumordurchmesser von mehr als 5 cm und mehr als 3 Tumorherde (in der Leber).

Letztgenannte Richtwerte stellen dabei „relative“ Kontraindikationen dar, d. h. eine RFA ist theoretisch durchführbar, aber der Patient profitiert eher von anderen Behandlungsverfahren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig noch einmal zu erwähnen, dass die Entscheidung zur RFA nach ausführlicher interdisziplinärer Beratung stets auf den Einzelfall abgestimmt ist.

Demgegenüber gibt es „absolute“ Kontraindikationen, bei denen die Durchführung einer RFA unmöglich ist. 

Wie wird eine RFA durchgeführt?

Zu dem Eingriff werden Sie für 3-4 Tage stationär aufgenommen. Am ersten Tag werden eventuell noch vorbereitende Untersuchungen für die Intervention und die damit verbundene
Narkose durchgeführt, sowie eine Blutentnahme zwecks Bestimmung der Blutgerinnungs-Werte vorgenommen. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose; so verspüren Sie keine Schmerzen und können problemlos über die notwendige Zeit ruhig liegen.

Wir führen die RFA ausschließlich unter Bildsteuerung mittels Sonographie und / oder Computertomographie (CT) durch und haben so Kontrolle über die Elektrodenlage und den Fortgang der Behandlung. Über einen wenigen Millimeter messenden Hautschnitt (so klein, dass sie nicht genäht werden müssen) wird die Elektrode in dem Tumor platziert und die Ablation begonnen.

Die Dauer der Radiofrequenzablation richtet sich nach der Größe des Tumors und nach dem behandelten Organ. Um die therapeutisch wirksame Temperatur zu erreichen, können während der Behandlung unter Umständen mehrere Zyklen nötig sein, wobei die Dauer eines Ablationszyklus ca. 20 bis 30 Minuten beträgt. Der gesamte Eingriff dauert im Durchschnitt ca. 2 bis 3 Stunden. Nach Ende der Narkose werden Sie noch für einige Zeit von den Narkoseärzten überwacht und anschließen in ihr Zimmer zurückgebracht.

Wir bemühen uns, dass Sie weder beim Eingriff noch anschließend Schmerzen haben. Sollte dies doch einmal der Fall sein, so zögern Sie nicht, sich zu melden, so dass wir direkt etwas gegen die Schmerzen unternehmen können (Bitte nicht „die Zähne zusammen beißen“, der Eingriff soll so wenig belastend wie möglich für Sie sein!). Wenn Sie sich gut fühlen, können Sie bereits abends ein normales Essen einnehmen. Aus Sicherheitsgründen wird meist die liegende Infusion über Nacht belassen.

Am nächsten Morgen kontrollieren wir das behandelte Organ mit Ultraschall und MRT. Abhängig von Ihrem Befinden können Sie nach 48stündiger Überwachung wieder nach Hause entlassen werden. Wenn Sie sich wohl fühlen können Sie nach drei Tagen Schonung Ihre gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen. Termine notwendiger Kontrolluntersuchungen werden Ihnen zur Entlassung mitgeteilt

 

Komplikationen und Risiken

Die RFA wird in aller Regel gut vertragen. Komplikationen im Rahmen der RFA sind selten, können aber in Einzelfällen doch auftreten, ohne dass dies durch die behandelnden Ärzte beeinflusst bzw. vermieden werden kann.

So kann es wie bei allen Eingriffen, bei denen man in den Körper hinein sticht, zu Blutungen kommen, da man dabei unvermeidbar durch Gefäße sticht. Dies bleibt meist ohne Konsequenzen, da die Stichverletzung durch die eintretende örtliche Blutgerinnung abgedichtet wird. Selten ist eine verlängerte Beobachtungsdauer unter stationären Bedingungen nötig, unter Umständen gefolgt von Maßnahmen zur aktiven Stillung der Blutung, wie z.B. durch eine sogenannte transarterielle Embolisation (Gefäßverschluss per Katheter) oder eine operative Blutstillung.

Durch die Einbringung der Nadelelektrode können andere Organe /Strukturen mit verletzt werden oder sich entzünden, so dass dies in der Folge behandelt, unter Umständen auch operiert werden muss. Dies haben wir allerdings bislang bei den von uns seit Jahren durchgeführten lokalen Therapieformen allerdings noch nicht beobachtet. Gleiches gilt auch für den tödlichen Ausgang einer solchen Behandlung, der in der Literatur extrem selten berichtet wird, von uns aber bislang ebenfalls nicht beobachtet wurde.  Zudem erhalten Sie bereits während bzw. unmittelbar nach der Behandlung Antibiotika als Infusion, um eine Entzündung zu vermeiden.

Als Reaktion auf die ja beabsichtigte Gewebezerstörung tritt oft Fieber auf, das symptomatisch behandelt wird. Sollte das Fieber über mehr als fünf Tage anhalten oder ansteigen, oder Sie eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes bemerken, müssen Sie Ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Abhängig von der klinischen Untersuchung und den Laborwerten ist dann eine computertomographische Abklärung nötig um eine Entzündung (Abszess) in dem behandelten Areal auszuschließen (um dies möglichst zu vermeiden, erhalten Sie wie oben bereits erwähnt Antibiotika). Auch diese Komplikation ist sehr selten.

Als Folge der Intervention kann sich im rechten Brustraum Flüssigkeit ansammeln, was Sie möglicherweise als atemabhängiges Missempfinden oder erschwerte Atmung verspüren. Meistens verschwinden diese Symptome spontan und bedürfen keiner Behandlung. Über die heutzutage glücklicherweise ebenfalls seltenen Komplikationen einer Narkose wird Sie der Anästhesist informieren.

Obwohl die RFA ein etabliertes Verfahren zur lokal-ablativen Tumortherapie ist, bietet sie – wie alle anderen Therapieoptionen auch – keine hundertprozentige Erfolgsgarantie und es besteht die Gefahr, dass der Tumor nicht vollständig zerstört werden kann bzw. nacheiniger Zeit wieder auftritt (Rezidiv).

In seltenen Fällen wurde zudem eine Verschleppung von Tumorzellen durch die Nadelelektrode berichtet, sog. Impfmetastasen. Dieses Risiko ist jedoch sehr gering, da der Zugangsweg beim Entfernen der Elektrode aus dem Körper durch die heiße Elektrodenspitze verödet wird.

Wie geht es nach erfolgter RFA weiter?

Die Nachbetreuung erfolgt im Rahmen der radiologisch-onkologischen Sprechstunde, deren Ärzte in engem Kontakt mit Ihren behandelnden Ärzten (Onkologe, Hausarzt) stehen. Nach der RFA sind Kontrolluntersuchungen (Ultraschall, CT,  MRT, evtl. PET-CT) in bestimmten Zeitabständen notwendig, zum einen um (wenn auch seltene) Komplikationen rechtzeitig zu erfassen, zum anderen um den Erfolg der Therapie einzuschätzen. Standardmäßig erfolgen sowohl eine KM-verstärkte Computertomographie als auch ein KM-verstärkte Magnetresonanztomograpghie eine Woche und vier Wochen nach dem Eingriff und ab dann alle drei Monate.