TACE

Was ist TACE?

TACE steht für TransArterielle ChemoEmbolisation und ist eine Therapie für Lebertumoren (lebereigene Tumoren und Lebermetastasen), bei der ein Chemotherapeutikum lokal, d. h. direkt über tumorversorgende Arterien verabreicht wird.


Wie funktioniert TACE?

Die Blutversorgung der Leber nimmt eine Sonderrolle ein, da gesundes Lebergewebe zu drei Vierteln über die Pfortader und nur zu einem Viertel über die Leberarterien mit nährstoffreichem Blut versorgt wird. Anders verhält es sich mit Lebertumoren und Lebermetastasen. Diese beziehen ihr nährstoffreiches Blut durch die Ausbildung tumoreigener Gefäßen zu über 90 Prozent aus den Leberarterien. Diese Eigenschaft macht man sich bei der TACE zu nutze:
Zum einen werden durch die transarterielle Applikation des Chemoembolisats die tumorversorgenden Gefäße selektiv verschlossen (embolisiert), was zu einer Minderdurchblutung und somit zu einem „Absterben“ (Nekrosen) der Tumorzellen führt. Zum anderen können Chemotherapeutika selektiv in den Tumor appliziert werden, was eine vielfach höhere Konzentration der Medikamente direkt am gewünschten Wirkungsort bewirkt als beispielsweise eine systemische Chemotherapie über Venen (z. B. am Arm oder über ein Portsystem). Gleichzeitig wird das Risiko von Nebenwirkungen erheblich minimiert, da nur der Tumor behandelt wird und gesunde Organe geschont werden.
Der Verschluss der Leberarterien durch das Chemoembolisat hat zudem den positiven Effekt, dass die eingesetzten Zytostatika nicht bzw. nur sehr verzörgert aus dem Tumor abfließen können. Dies führt in Abhängigkeit des verwendeten Embolisats zu einer Wirkunsgsverlängerung der Chemotherapeutika um bis zu einige Wochen.


Warum keine „normale“ (systemische) Chemotherapie?

Eine „normale“ Chemotherapie, d. h. eine Chemotherapie, die über Venen (z. B. am Arm oder über ein Portsystem) verabreicht wird, ist ein effektives und seit Jahrzehnten etabliertes Verfahren in der Krebsbehandlung. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine solche Behandlung nur gering oder gar nicht wirksam ist oder aber aus den unterschiedlichsten, individuellen Gründen nicht in Frage kommt. In einigen dieser Fälle stellt die TACE eine alternative oder ergänzende Therapieoption dar.


Bei welchen Tumoren kann die TACE eingesetzt werden?

Die Wirksamkeit der TACE ist bislang insbesondere für folgende Tumoren in der Leber belegt:
Hepatozelluläres Karzinom (HCC)
Lebermetastasen von kolorektalen Karzinomen (Dickdarmkrebs)
Lebermetastasen von Mammakarzinomen (Brustkrebs)
Lebermetastasen von neuroendokrinen Tumoren

Des Weiteren gibt es einige Tumorarten, die in geringer Anzahl auch erfolgreich mit einer TACE behandelt werden konnten. Hier zu zählen z. B.: Gallengangskarzinom (Cholangiozelluläres Karzinom, CCC), Lebermetastasen von Pankreaskarzinomen (Bauchspeicheldrüsenkrebs) oder Lebermetastasen von Aderhautmelanomen.


Was sind die Voraussetzungen (Indikationen) für eine TACE?

Eine TACE kommt nur in Betracht, wenn andere lokale oder systemische Therapien keinen Erfolg zeigen oder nicht mehr möglich sind, z. B. eine operative Entfernung bzw. andere lokal ablative Therapien (z. B. RFA) sind nicht möglich oder eine systemische Chemotherapie ist nicht möglich bzw. nicht wirksam.
Des Weiteren sollte die Tumorerkrankung auf die Leber beschränkt sein, d. h. es sollten keine Metastasen außerhalb existieren oder im Falle von Lebermetastasen der Primärtumor erfolgreich entfernt worden sein.
Grundlegende Voraussetzungen sind darüber hinaus ein guter körperlicher Allgemeinzustand des Patienten und eine ausreichende Leberfunktion, die anhand von Blutwerten bestimmt wird.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass die Entscheidung zu einer TACE nach ausführlicher interdisziplinärer Beratung, d. h. in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen wie z. B. Chirurgie, Innerer Medizin / Onkologie oder Gynäkologie, stets auf den Einzelfall den abgestimmt wird. Oben genannte Voraussetzungen sind daher als „relative“ Richtlinien zu verstehen, da etliche weitere, individuelle Faktoren bei der Therapieplanung eine große Rolle spielen.


Welche Unterlagen werden im Vorfeld benötigt?

Zur Evaluation, ob eine TACE bei Ihnen möglich ist, bitten wir um Zusendung folgender Informationen oder eines aktuellen Arztbriefes, der die folgenden Informationen enthält:

Bei der Beschaffung der Information ist Ihnen Ihr behandelnder Hausarzt oder Onkologe sicher gerne behilflich.


Wie wird die TACE durchgeführt?

Die TACE ist eine minimal invasive Tumortherapie.
Standardmäßig wird den Patienten prophylaktisch vor und während der Intervention ein hochwirksames Schmerzmittel sowie Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen über die Vene verabreicht. Auf Wunsch kann zusätzlich auch ein Beruhigungsmittel appliziert werden.
Unter sterilen Bedingungen wie in einem Operationssaal wird die Leiste zunächst örtlich betäubt. Anschließend wird die Leistenarterie mit einer dünnen Nadel punktiert und unter Zuhilfenahme eines sehr feinen, flexiblen Drahtes in sog. Seldinger-Technik eine Kunsstoffkanüle (Schleuse) in die Leistenarterie eingelegt. Die Schleuse schafft einen sicheren Zugangsweg zum Gefäß und ermöglicht eine im weiteren Verlauf weitgehend „unblutige“ Intervention.
Über die Schleuse wird nun unter Röntgenkontrolle ein dünner Plastikschlauch (Katheter) über die Leistenarterie in der Bauchschlagader (Aorta abdominalis) positioniert. Nachfolgend werden die A. mesenterica superior und der Truncus coeliacus, d. h. zwei große, die Baucheingeweide versorgende Abgänge der Aorta abominalis, nacheinander mit dem Katheter sondiert und mit Kontrastmittel in einer Angiographie dargestellt, um die exakte Blutversorgung der Leber und ggf. anatomische Normvarianten zu evaluieren. Dies ist von besonderer Bedeutung, da eine selektive, d. h. gezielte transarterielle Chemoembolisation nur in Kenntnis der exakten Gefäßversorgung des Tumors möglich ist.
Im Rahmen dieser Angiographien können z. B. Gefäße, die als Abgänge der Leberarterien andere Organe (z. B. den Magen oder Dünndarm) versorgen und der TACE somit im Wege stehen, identifiziert und direkt mittels kleiner Metallspiralen (sog. Coils) verschlossen werden. Die unerwünschte, weil schädliche, Verteilung des Chemoembolisats außerhalb der Leber wird dadurch verhindert.
Nach den o. g. Übersichtsangiographien wird der Katheter in der Leberarterie positioniert und die Gefäßversorgung der Leber und insbesondere des Tumors erneut dargestellt.
Sind die tumorversorgenden Arterien identifiziert wird über den einliegenden Katheter ein kleinerer Katheter (Mikrokatheter) in sog. Koaxial-Technik eingebracht. Der Mikrokatheter wird nun unter Röntgenkontrolle sukzessive in die tumorversorgenden Gefäße eingebracht und das Chemoembolisat – nach vorheriger Lagekontrolle – über den Mikrokatheter appliziert.
Da bei der Applikation auf eine antegrade Flussrichtung der Medikamente, d. h. auf einen Fluss in den Tumor hinein, zu achten ist, findet die Applikation unter Röntgenkontrolle statt.
Eine Flussumkehr und eine damit verbundene Wirkung des Chemoembolisats außerhalb des Tumors werden so verhindert.
Nach Beendigung der Applikation werden das Kathetermaterial und die Schleuse entfernt. Die Punktionsstelle in der Leiste wird verbunden und der Patient muss für einige Stunden Bettruhe halten.


Woraus besteht das Chemoembolisat?

Das im Tumor applizierte Chemoembolisat setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, um eine möglichst optimale therapeutische Wirkung zu erzielen.
Einerseits soll das Medikament eine zelltötende Wirkung besitzen (zytotoxisches Chemotherapeutikum oder Zytostatikum), die sich direkt im Tumor entfaltet.
Andererseits soll  – wie bereits eingangs erwähnt – eine Embolisation, d. h. ein Verschluss, der tumorversorgenden Gefäße erzielt werden, um durch den folglich verzögerten Blutfluss sowohl ein Absterben der Tumorzellen als auch eine Wirkungsverlängerung des Zytostatikums zu erreichen.

Aus diesem Grund werden Kombinationen aus Zytostatika mit embolisierenden Substanzen zur TACE eingesetzt.
Als Zytostatika werden bei der TACE meist Doxrubicin, Mitomycin C und Cisplatin eingesetzt, die mit Lipiodol oder Mikropartikeln (Kügelchen mit Durchmessern im µm-Bereich) als embolisierende Substanz kombiniert werden.

Die Entscheidung welche Substanzen in welcher Dosierung zur TACE kombiniert werden wird stets im Einzelfall unter der Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten der zugrunde liegenden Tumorerkrankung getroffen.


Welche Komplikationen und Nebenwirkungen gibt es?

In den meisten Fällen verläuft die Behandlung komplikationslos und wird von den Patienten gut vertragen.
Grundsätzlich können im Rahmen arterieller Punktionen Blutungen und Infektionen in unterschiedlich schweren Ausprägungen auftreten.

Manche Patienten leiden nach der TACE an einem sog. Postembolisationssyndrom mit Fieber, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit. Die Symptome sind unter Gabe von fiebersenkenden Schmerzmitteln in aller Regel gut zu beherrschen und klingen innerhalb weniger Stunden bis einiger Tage ab.

Darüberhinaus besteht das Risiko einer Fehlembolisation, d. h. das Chemoembolisat wird aus der Leber in andere Organe (z. B. Gallenblase, Milz, Magen, Lunge) verschleppt und kann dort zu Entzündungen und Nekrosen bis hin zum Organversagen führen.

Eine schwere Komplikation der TACE stellt die Leberfunktionsstörung dar, die im schlimmsten Falle zum kompletten Leberversagen führen kann. Die genaue Abklärung der Leberfunktion vor Durchführung der Therapie ist diesbezüglich von besonderer Wichtigkeit, da das Risiko eine Leberfunktionsstörung bzw. eine Leberversagen zu erleiden von der Leberfunktion vor der Therapie abhängt.

Alle Patienten werden vor der TACE ausführlich in einem persönlichen Gespräch über die Untersuchung informiert und aufgeklärt. Die Behandlung findet frühestens am folgenden Tag statt, um eine ausreichende Bedenkzeit zu gewährleisten.